Berührung ist essentiell für unser Leben

Wir empfehlen, sich mit den Forschungsarbeiten und Ergebnissen von Prof. Dr. Winkelmann näher zu befassen. Nachfolgend Infos/Links zu einem interessanten Interview mit ihr sowie einem Podcast.

Prof. Dr. Claudia Winkelmann im Interview über fehlende Berührungen und ihre Folgen während der Pandemie und den Stand der Forschung zu Haptik in den Gesundheitsfachberufen

Sie forschen zu Haptik in den Gesundheitsfachberufen. Was können wir uns darunter vorstellen?

Winkelmann: Unter Haptik wird einerseits die aktive Tastsinneswahrnehmung, also beispielsweise das Wahrnehmen von Veränderungen in Geweben während der Physiotherapie, und andererseits der Tastsinn oder besser Berührungssinn verstanden. Er wird durch Berührung bei einer Person, beispielsweise einer Patientin oder einem Patienten, aktiviert. Diese Berührung kann auf verschiedene Weise und nicht nur im Rahmen der Gesundheitsversorgung in der Physiotherapie, Ergotherapie und Pflege erfolgen.

Welche Rolle spielt Haptik in den Gesundheitsfachberufen?

Winkelmann: Gemeinsam mit Prof. Dr. Martin Grunwald und seinem Team des Haptik Forschungszentrums der Universität Leipzig forsche ich zur aktiven Tastsinnesleistung der Lernenden und Berufsangehörigen in den Gesundheitsberufen. Hintergrund ist die Tatsache, dass zwar Tastbefunde und mit der Hand ausgeführte Techniken ebenso wie die Anatomie, also welches Gewebe an einer Stelle zu erwarten ist, gelehrt werden. Allerdings wird ohne Prüfung angenommen, dass der Tastsinn ausreichend gut ist, um kleinste Veränderungen zu spüren. Dies gilt übrigens auch für das Medizinstudium. Das ist so, als würde man die Verkehrszeichen und –regelungen auswendig lernen und am Straßenverkehr teilnehmen, ohne die Seh- und Hörfähigkeiten überprüft zu haben.

Aktive Tastsinneswahrnehmungen liefern uns Informationen über die äußere Welt. Man denke an Säuglinge, die ihre Welt mit dem Mund, der Zunge und den Händen begreifen. Werden aber Personen berührt, prüft das Gehirn in Millisekunden, ob davon Gefahr ausgeht oder nicht. Verantwortlich hierfür sind mehrere Millionen Rezeptoren, die Druck, Vibration, Wärme, Kälte, Schmerz registrieren und die Information über Nervenfasern weitergeben. Erst vor gut 10 Jahren wurde die C-taktile Nervenfaser und damit dieses Sinnessystem entdeckt. Die auch als Streichelfaser oder Berührungsnerv bekannte Faser reagiert speziell auf sanfte, angenehme Berührungen und signalisiert, ob wir diese mögen oder nicht. Seitdem wird die Bedeutung von Berührung für unser soziales Leben erforscht. Ganzheitliche Konzepte der bio-psycho-sozialen Gesundheitsversorgung, die hands-on-Techniken beispielsweise als Klassische Massagetherapie integrieren, sind insbesondere in der interdisziplinären, multimodalen Schmerztherapie oder in der geriatrischen Komplexbehandlung gefragt.

Das vollständige Interview weiterlesen bei aliceonline, dem Magazin der Alice Salomon Hochschule Berlin …

Über die Wichtigkeit von Berührung

Schon im Mutterleib spürt ein Embryo Berührungen und macht erste Greifbewegungen – bevor er sieht oder hört. Forscherinnen und Forscher entschlüsseln den menschlichen Tastsinn und entdecken zum Beispiel neue Rezeptoren. Über den Forschungsbereich der Haptik berichtet die Gesundheitswissenschaftlerin Claudia Winkelmann.

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