Zur Optimierung und Analyse dieser Website werden "Cookies" eingesetzt, die zur Wiedererkennung winzige Informationen in Ihrem Browser speichern. Das ist ungefährlich und verrät uns nur wenige, anonyme Daten - aber dennoch möchten wir Sie um Ihr Einverständnis bitten, ohne dass Sie diese Website leider nur eingeschränkt sehen können. 
Was ist Achtsamkeit

TouchLife Massage, die Kunst der achtsamen Berührung

  • Von Kali S. Gräfin von Kalckreuth und Frank B. Leder
    Erschienen unter anderem in: Krankengymnastik - Zeitschrift für Physiotherapeuten, CoMed Magazin für komplementäre Medizin, Magazin Visionen

Massage in Achtsamkeit ausgeführt, berührt Menschen auf einer tiefen, liebevollen Ebene. Achtsame Hände kommunizieren dem Empfangenden Respekt und Akzeptanz. Massage in diesem Sinne kreiert einen geschützten Raum. In diesem Raum kann der Empfangende sich fallenlassen und anvertrauen, kann aufatmen, Spannung abgeben und neue, weite Räume in sich entdecken.

Die TouchLife Massage ist für den Empfangenden eine Zeit, sich seinen Körper und seinen Geist bewusst zu machen, sich besser kennen und verstehen zu lernen. Mit Hilfe der Massage wird der Empfangende in seinen Körper geführt und kann den Körper im Lichte der Achsamkeit wahrnehmen. Der Massierende leitet den Empfangenden darin an, seine Aufmerksamkeit dort zu fokussieren, wo er gerade berührt wird.

Wer einmal versucht hat, für einige Minuten konzentriert die eigenen inneren Prozesse zu betrachten, weiß, wie schwer es ist, aufmerksam zu bleiben für unseren Körper, unser Denken, Fühlen, für den gegenwärtigen Augenblick. Achtsamkeit auf die körperlichen Empfindungen zu richten bedeutet, das Abdriften mit den Gedanken zu stoppen und verankert die Wahrnehmung bei dem unmittelbaren Lebensprozess, wie er sich im Augenblick entfaltet. Das bedeutet, dass eine TouchLife Praktikerin bewusst die Massage dafür einsetzen kann, die Empfangende auf eine einfühlsame Weise immer wieder zurück zu bringen zum Spüren, ins Hier und jetzt, und damit zur Quelle unserer innneren Kraft.

Sich auf den eigenen Körper und die im Hier und Jetzt erfahrbaren Vorgänge, das Fühlen und Denken, bewusst einzulassen, ist bei einer Massage besonders schön, da die Massageerfahrungen, also die Berührungsempfindungen, die durch die angewandten Techniken ständig ausgelöst werden, als solche angenehm sind und ohne Schwierigkeiten deutlich wahrgenommen werden können. Eine gute Massage muss man sich nicht einbilden: Man erfährt sie unmittelbar! Das ist eine wunderbare Gelegenheit, einmal dem starken Gedankenstrom zu entkommen und sich mehr im Sein zu erfahren.

Die fünf Pfeiler der TouchLife Massage und welche Bedeutung der Achtsamkeit zufällt

Die Achtsamkeit ist einer der fünf Pfeiler der TouchLife Massage und gleichsam in jedem dieser Pfeiler beinhaltet. Die fünf Pfeiler der TouchLife Massage sind: Massagetechniken, das Gespräch, der Energieausgleich, der Atem und die Achtsamkeit.

Achtsamkeit in der Massage
Achtsamkeit auf die Massagetechniken bezogen heißt, sie in einem Tempo auszuführen, welches es dem Empfangenden ermöglicht, mit der Aufmerksamkeit dabei zu bleiben, jede Berührung genau zu verfolgen, in einem gelassenen Zustand von Gewahrsein. Achtsame Massagehände können, um ein Bild zu benutzen, wie ein Lichtstrahl sein, der die jeweilige Körperstelle anleuchtet und somit gesteigerte Aufmerksamkeit ermöglicht.

TouchLife Massage wird so ausgeführt, das der Klient sich entspannen darf und sich nicht gegen ein plötzliches oder zu tiefes Eindringen wehren muss. TouchLife Massage kann auch druckfester auf tiefere Gewebeschichten eingehen, aber nur mit dem Einverständnis des Klienten. Wenn er oder sie die Zähne zusammen beißt oder die Hände wegen einer schmerzhaften Berührung verkrampfen oder der Atem stockt und angehalten wird, ist es vorbei mit Entspannung und Achtsamkeit. Der Klient verabschiedet sich dann innerlich vom bewussten Spüren. Der Körper liegt noch da, aber der Klient möchte woanders sein. So kann eine Chance des bewussten Erlebens verpasst werden.

Achtsamkeit beim Gespräch
Achtsamkeit auf eine Gesprächssituation angewendet fördert die Fähigkeit, genau zu hören und wahrnehmen zu können, was wirklich mitgeteilt wird. Achtsamkeit manipuliert nicht, sie verdreht nicht, und vor allem bewertet oder verurteilt sie nicht. Achtsamkeit für das Gespräch heißt in der TouchLife Massage, der Klientin Raum zu geben, zu beschreiben, wie sie sich fühlt und was sie von der Massage erwartet. TouchLife Praktiker sind darin geschult, aufmerksame Zuhörer zu sein, die sich schon während des Vorgesprächs auf die Klienten einstellen, um das Gehörte im Anschluss auf der Massageebene umzusetzten. Das bedeutet, die Auswahl und Reihenfolge der Massagegriffe sowie Druck und Tempo ihrer Ausführung richten sich bei der TouchLife Massage immer nach der jeweiligen Klientin.

Während der Massage kann auch gesprochen werden. Vertiefend ist es, wenn das aus- oder angesprochen wird, was während der Massage gefühlt wird. Aufmerksames Nachfragen seitens der Behandlerin können das Massageerlebnis vertiefen und zu gesteigerter Körperwahrnehmung führen. Dieses Nachfragen gibt der Klientin auch die Möglichkeit, der Behandlerin in der Erlebnissituation bzw. an jeder beliebigen, konkreten Körperstelle exakt mitzuteilen, welche Empfindungen durch die Berührung ausgelöst werden, wie und wo der Körper darauf reagiert und wie individuell am besten der Druck und das Tempo von den Händen gegeben werden sollten. Es ist also eine intensive und aktive Zusammenarbeit, die Wachheit und Präsenz beider Beteiligter erfordert.

Achtsamkeit für das eigene Energiefeld
Während einer Massage spürt der Klient seinen Körper mit geschlossenen Augen, er erlebt ihn von innen. Dabei stellt er fest, dass den Körper von innen zu spüren etwas anderes ist, als ihn von außen zu betrachten. Was ist anders? Hier kommt der dritte Pfeiler der TouchLife Massage, der Energieausgleich, ins Spiel. Es geht um die subtile, pulsierende, innere Wirklichkeit, in der wir unsere körperlichen Strukturen fliessend, nicht greifbar und fest sondern in ständigem Wandel erleben. Der Körper wird dann als lebendiges Energiefeld wahrgenommen. In dieser bewussten Wahrnehmung des Energiefeldes ist es auch möglich zu spüren, wo der Energiefluss stockt, blockiert oder eben auch noch gar nicht spürbar ist.

Entschliesst sich der Klient dazu, dies dem Massierenden zu sagen, kann dieser sich diesen Stellen mit einer Vielzahl von Massagetechniken widmen, verbindende oder ableitende Ausstreichungen ausführen oder durch Haltegriffe ganz bewusst noch einmal die Wahrnehmung an dieser Stelle vertiefen. Das führt oft zu einer Veränderung des Energieflusses und -feldes. In diesem Sinne lernt der Klient sein eigenes Energiefeld kennen und lernt damit positiv, das heißt bewusst, umzugehen.

Achtsamkeit für den Atem
Den eigenen Atem zu beobachten oder bewusst zu spüren, ist für die meisten Menschen zunächst ungewohnt. Sie nehmen ihren Atem nicht bewusst wahr. Der Atem ist für sie selbstverständlich, so lange er funktioniert. Erst wenn wir zu wenig davon haben, merken wir seine große Bedeutung für unser Leben, und im Extrem gilt: Ohne Atem kein Leben. Egal welcher Körperstelle sich die Massage widmet, im Hintergrund ist immer ein Atem präsent, der tatsächlich auf die Reize, die durch die Massageberührung ausgelöst werden, reagiert.

Nun ist es so, dass bei den meisten von uns der Atemraum im Bereich des Brustkorbes und der Bauchhöhle angespannt und der Atem infolge dessen eingeengt ist. Wir würden gerne tief durchatmen, aber wir spüren einen Widerstand, weshalb es zunächst nicht gelingt, uns einem befreiten Atem hinzugeben, uns von ihm ganz füllen zu lassen und ihn dann auch wieder vollständig loszulassen.

Achtsamkeit auf den Atemvorgang gerichtet, macht uns zuerst einmal diese Enge in uns bewusst. Und die spüren wir nicht gerne. Gleich möchten wir dagegen angehen und versuchen, mit viel Anstrengung tiefer zu atmen. Das kann kurzfristig eine Aufdehnung und damit Erleichterung verschaffen, erinnert aber an eine Dampflock, die durch die Gegend prustet. Ein tiefgreifenderer Umgang ist jener, Achtsamkeit für den eigenen Atemfluss zu entwickeln. Das bedeutet, während der Massage, gleich an welcher Stelle sie momentan ausgeführt wird, immer wieder den gegenwärtigen Atem bewusst spüren, das sich ständig abwechselnde Ein und Aus.

Das hat etwas sehr beruhigendes, den Atem auf diese Weise wahrzunehmen, und weil sich fast alle Klienten von der Massage ein Ruhe- und Entspannungserlebnis versprechen, ist es gerade während einer Massage so nahe liegend, dies zu tun. Der Empfangende wird nach einer Weile der achtsamen Atembetrachtung merken, dass der Atem sich von alleine vertieft. Dies geht einher mit einer relativen Absenkung der muskulären Anspannung mit einer Vielzahl positiver Begleitreaktionen, und zwar sowohl in dem gerade massierten Körpergebiet als auch darüber hinaus im gesamten Organismus. Parallel dazu wird der rastlose Geist zentriert und Ruhe erfahrbar.

Bewusstheit, heißt für uns Gewahrsein; ein Gewahrsein all jener Vorgänge in Körper und Geist, die gerade geschehen, in diesem Moment. Gewahrsein ist eine Art der Wahrnehmung, die nicht ständig wertend eingreifen muss. Gewahrsein in Bezug auf den Körper bedeutet, sich der im stetigem Wandel befindlichen, taktilen Sinneserfahrungen bewusst zu sein: Empfindungen von Druck und Streichen, von Wärme und Kälte, von (innerer) Bewegung, von Wohlbefinden oder Spannung, die sich alle ständig auf der körperlichen Ebene abspielen. Gewahrsein richtet sich auch auf innere Vorgänge, wie das Denken. In jedem Moment steigen Gedanken auf, über das Vergangene, über die Gegenwart und über die Zukunft. Es ist möglich, die eigenen Gedanken zu beobachten, ohne sich mit ihnen zu identifizieren, auch wenn das zu Beginn nicht leicht fällt, weil es dem ungeübten Beobachter schwer fallen mag, einen Abstand zu den Gedanken zu wahren. Bewusstheit nimmt auch die Gefühle wahr, die aufsteigen, und zwar in einer Haltung, welche die Gemütsstimmungen nicht wertet oder ablehnt und auch nicht dem Greifen und Anhaften verfällt, das vom guten Gefühl immer noch mehr haben möchte.

Achtsamkeit ist für uns ein Weg, zu Gewahrsein und Gegenwärtigkeit zu gelangen. Achtsamkeit und Bewusstheit gehen Hand in Hand. Achtsamkeit ist jederzeit anwendbar in ganz konkreten, praktischen Siutationen, wie beim Gehen, Essen, Berühren, Massieren und Massiert werden, im Gespräch und bei allen anderen alltäglichen Dingen. Wenn man eine Weile Achtsamkeit praktiziert, stellt sich eine gesteigerte Wahrnehmungsfähigkeit ein. Dies bringt einen klaren Blick für die Dinge, wie sie wirklich sind, mit sich, das bedeutet klares Denken, differenziertes Spüren und mehr Freude am Einfachen. Es führt zu einer gesteigerten Empfindungsfähigkeit, die sich selbst genügt und weniger Konsum zum Glück braucht. Achtsamkeit ermöglicht einen inneren Raum von Einverstandensein, und daraus entwickelt sich Respekt für das Leben und den Menschen. Achtsamkeit kann uns zu Gelassenheit und Mitgefühl für unsere eigenen Schwierigkeiten und die jener Menschen, denen wir begegnen, führen. Sie hilft uns dabei, eine natürliche Zufriedenheit mit dem Lebensprozess zu kultivieren und gibt uns ein Gefühl von Verbundenheit.

Wenn sich auf diese Weise das Verständnis im Behandler für seine Massagearbeit entwickelt, kann Massage zu einer Handlung werden, die einer meditativen Haltung entspringt. Beide, der Gebende wie der Empfangende, erhalten dadurch die Gelegenheit, sich auf einer immer tieferen Ebene zu erfahren und kennen zu lernen. Ein offener Raum entsteht, und der freie Geist kann sich erheben.

Kali Sylvia Gräfin von Kalckreuth und Frank Boaz Leder ...

  • entwickelten seit 1984 die Methode der TouchLife Massage nach Leder & von Kalckreuth
  • leiten eine Privatpraxis für TouchLife Massage
  • sind Gründer und Leiter der TouchLife-Schule
  • unterrichten Anfänger und Fortgeschrittene in TouchLife Massage
  • initiierten 1996 das TouchLife Massage-Netzwerk
  • lernten bei Michael Barnett (Energiearbeit) und Ruth Denison (Vipassana Meditation)
  • haben zahlreiche Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht sowie im Fit-fürs-Leben-Verlag:
  • TouchLife - Massage, die schön macht