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Vorwort  zum Buch „Glücksgriffe

Von Prof. Dr. phil. Hella Erler und Prof. Dr. phil. Luis Erler*
Die Arbeit mit Bewegung und Atmung ist uns seit Langem vertraut – sowohl als Begleitung der eigenen Entwicklung als auch in unserer beruflichen Arbeit mit Studierenden der Pädagogik und Psychologie in Universität und Fachhochschule. Während unseres Aufenthalts 

in Bringhausen im Nationalpark Kellerwald-Edersee (einer der Kursstandorte der TouchLife-Schule) begegneten wir immer wieder Ausbildungsgruppen von TouchLife und erfuhren, dass es sich dabei um eine besondere Art der Massage handelt, die im Gegensatz zur rein medizinisch-funktionalen Massage auf die Persönlichkeit und die besonderen Bedürfnisse der Klienten eingeht. An der Ausbildung nehmen in der Regel Menschen teil, die sich nach Jahren der Berufstätigkeit oder Familienarbeit verändern wollen, einen neuen Anfang suchen mit dem Berufsziel, Massage im Entspannungs- und Wellnessbereich anzuwenden.

Durch die Erzählung einer Freundin, die sich nach Abschluss ihrer Laufbahn als Studienrätin entschlossen hatte, die TouchLife Grundausbildung zu besuchen, tauchte die Idee auf, ob diese Ausbildung auch unsere bisherigen Erfahrungen in Bewegungs- und Atemarbeit ergänzen könnte. Es gab einige Bedenken und Hemmungen zu überwinden, denn unsere bisherigen Massage-Erfahrungen waren eher negativ gewesen und hatten weder mit Entspannung noch mit Wohlbefinden zu tun. Nach einem Gespräch mit Kali Sylvia Gräfin von Kalckreuth entschlossen wir uns, zunächst probehalber das einführende Rückenseminar mitzumachen. Dabei lernten wir eine Art der Seminarführung kennen, von der Hochschulen bisher nur träumen können: eine Verbindung zwischen professioneller Einführung in die Massagetechniken und einer Hinführung zu ganzheitlich-psychologischen Aspekten der körperlichen Berührung. Besonders beeindruckt hat uns die einfühlsame Begleitung der TeilnehmerInnen, die in ihrem Leben an einem Wendepunkt stehen und etwas Neues, für sie Ungewohntes beginnen möchten. Hier ist die Verbindung gelungen zwischen Methoden der Humanistischen Psychologie undprofessioneller anatomisch-physiologisch begründeter Schulung in Massage.

 

Im Laufe des weiteren Kurses – wir hatten uns nach Abschluss der Rückenwoche für die ganze Ausbildungentschieden – haben wir viel über unseren Beruf nachgedacht, besonders über Kommunikation mit Menschen. Auch wir haben mit »Berührung« gearbeitet, allerdings einer Berührung durch Worte, inspiriert von Überzeugung, Leidenschaft und Begeisterung. Und genau das geschieht in der TouchLife Massage auf einer anderen Sinnesebene, nicht in erster Linie durch Hören und Sehen und durch Worte, sondern durch Hände, durch Berührung über die Haut. Auch die Zuwendung zum anderen, die Haltung der Achtsamkeit und das aktive Zuhören kannten wir aus unserem Beruf, aber nicht in einer so ganzheitlichen Form und auf alle Fälle nicht so lehrbar und übertragbar, wie wir es hier erlebten. Wir entdeckten auch zunehmend Übereinstimmungen zwischen den philosophisch-psychologischen Grundlagen der TouchLife Methode und den pädagogischen Theorien zur frühen Kindheit. Die Bildung von Urvertrauen und die Entstehung von sozialen Bindungen am Beginn des Lebens werden durch die enge Berührung zwischen Mutter und Kind während und nach der Geburt entscheidend beeinflusst.

 

Dies zeigt sich auch im interkulturellen Vergleich, vor allem bei Naturvölkern. Körperkontakt und Berührung des Säuglings durch die Mutter, zum Teil mit gezielten Babymassagen, bilden die Grundlagefür alle späteren sozialen Beziehungen. Durch die frühe Berührung entsteht das Urvertrauen des Kindes, die Sicherheit, dass es seinen Platz in der Welt gefunden hat, vermittelt durch die ungeteilte, liebevolle Annahme und Aufnahme in der Familie. In der Psychologie wird heute ein solcher »Empfang« als Basis einer gesunden Entwicklung angesehen. Defizite in dieser Zeit können zu sozialem Fehlverhalten und psychosomatischen Erkrankungen führen, die später nur zum Teil durch gezielte Therapien auszugleichen sind.

 

Bei unseren Erfahrungen in der Ausbildungsgruppe und bei der Lektüre der  Massagegeschichten in den "Glücksgriffen" sind uns Parallelen aufgefallen, in denen der Beginn einer therapeutischen Veränderungsichtbar oder ahnbar wurde, z. B. bei den Massagegeschichten von Babys und Kleinkindern oder denenvon Kriegstraumatisierten in Sarajevo. Es ist durchaus denkbar, dass ein »Nachnähren« durch liebevolle Berührung erreichbar ist und zur Heilung früher Verletzungen beitragen kann. Für diesen Zusammenhangsprechen auch die im Buch aufgeführten Forschungsergebnisse des Touch Research Instituts vonTiffany Field, wonach durch Massage die Folgen vieler Störungen und Erkrankungen, so z. B. ADHS, Autismus, Depressionen und Ängste, gelindert werden können. Eine Untersuchung konzentriertesich dabei auf Kleinkinder, die regelmäßig massiert wurden. Nicht nur die Kinder profitieren von derMassage, sondern auch die Behandler. In den Untersuchungen waren es zum Teil »Ersatzgroßmütter«, die sich um die Kinder kümmerten, und auch bei ihnen zeigte sich eine Verbesserung der Lebensqualität.Sie litten weniger unter depressiven Verstimmungen, hatten mehr Sozialkontakte und fühlten sich gesünder. Was für eine Chance könnte die Wiederentdeckung der Berührung im sozialen Umfeld für viele bedeuten, die heute unter Einsamkeit, Entfremdung und »sozialer Kälte« leiden!

 

Mit der TouchLife Massage hat eine Bewegung begonnen, der zu wünschen ist, dass sie weite Kreiseerfasst und auch jene Menschen erreicht, die nicht im professionellen Bereich arbeiten wollen und die Kunst der Berührung zur Verbesserung des eigenen Lebens, zum Wohl ihrer Familien und ihrer Freundeeinsetzen. Dazu finden sich in diesem Buch wunderbare Beispiele. Man kann die Massagegeschichten,die hier gesammelt wurden, kaum lesen, ohne selbst Lust auf Berühren und Berührtwerden zu spüren. Das Buch steckt an mit der Vision der beiden Begründer der TouchLife Massage, dass Menschen ineiner Zeit voller Hektik, Stress und unsicherer Bindungen durch ganzheitliche Berührung zu einem Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit zurückfinden.

 

Wir haben Frank B. Leder und Kali Sylvia Gräfin von Kalckreuth als Vorbilder und Lehrer kennengelernt, als Menschen, die leben, was sie sagen. Sie verbinden den Respekt vor der Person, ihrer besonderen Geschichte und Situation mit der Gestaltung einer Methode, die in unsere gesellschaftlichen Strukturen hineinpasst und zur Grundlage beruflicher Existenz führen kann. Wir wünschen diesem wunderbaren Buch viel Erfolg.

 

 * Über die Autoren des Vorworts: Dr. Hella M. Erler ist promovierte Psychologin und war von 1972 bis 2003 Professorin für Psychologie und Elementarpädagogik an der Fachhochschule Regensburg. Dr. Luis Erler, ebenfalls promovierter Psychologe, hatte den Lehrstuhl für Elementar- und Familienpädagogik an der Universität Bamberg von 1973 bis 2001 inne. Seit ihrem gemeinsamen Studium arbeiten die beiden eng zusammen in Lehre, Forschung und Praxis der Kindererziehung. Sie sind u. a. Initiatoren und Mitbegründer der Montessori-Ausbildung, -Kindergärten und -Schulen in Regensburg. Seit über 30 Jahren nehmen sie laufend an Ausbildungen in Methoden der Humanistischen Psychologie und Körperarbeit teil, zuletzt in TouchLife Massage nach Leder und von Kalckreuth. Sie sind u.a. als Berater und Coachs in Erziehung und Wirtschaft freiberuflich tätig.